Okt 17, 5 Jahren ago

„Wir sollten die Kirche im Dorf lassen“

Handball Männer, Mitteldeutsche Oberliga: Vorstandsmitglied Uwe Remme stellt sich vor die Hermsdorfer Mannschaft

Von Jens Henning

Hermsdorf. Wieder nur unentschieden, wieder einen Vorsprung in den letzten Minuten verspielt, einige Zuschauer in der Werner-Seelenbinder-Sporthalle in Hermsdorf waren vorigen Samstag bitter enttäuscht. Sie ließen ihren Unmut an den Spielern und an den Trainern des Handball-Oberligisten SV Hermsdorf aus.
Für die anwesenden Vorstandsvertreter der Abteilung Handball gingen einige dieser Äußerungen zu weit, weil sie in persönlichen Beleidigungen und Beschimpfungen ausarteten.
Gestern Nachmittag meldete sich Uwe Remme vom Vorstand in der Redaktion, um stellvertretend für seine anderen ehrenamtlichen Mitstreiter Position zu beziehen und sich vor die Spieler und auch vor die Trainer zu stellen. „Wir freuen uns, dass so viele Zuschauer in der Halle waren. Wir wissen auch, dass wir ein sehr kritisches Publikum haben. Dazu gehören auch Emotionen, die dürfen aber nicht so enden, wie das am Samstag nach dem Abpfiff gegen Plauen passiert ist“, sagte Remme. Das Vorstandsmitglied erinnerte an die fünf Spielerabgänge zur Sommerpause und an die beiden Verletzungen der zwei Torhüter vor dem ersten Punktspiel. „Das sind nicht nur sieben Spieler, die jetzt fehlen, das waren im Vorjahr alles Leistungsträger.“
Petr Nedved und Robert Zehmisch waren in der Oberliga absolute Spitze. Insider stuften die Zwei als bestes Duo der gesamten Liga ein. Remme steht voll und ganz hinter der Verjüngung der Mannschaft, die seit Sommer läuft. „Dass so ein Prozess auch Rückschläge mit sich bringt, ist doch völlig normal. Sicher hätte ich mir in den beiden Heimspielen
auch zwei Siege gewünscht.
Es ist doch aber noch nichts passiert. Wir stehen am Saisonbeginn, wir haben 4:4-Punkte. Wir sollten alle die Kirche im Dorf lassen.“ Einige, so Remme weiter, „glauben offenbar, dass wir unter professionellen Bedingungen arbeiten, das ist aber längst nicht so. Wenn wir Profis wären, würden wir sicher eine Klasse höher spielen. Unsere Spieler und Trainer gehen alle einem geregelten Job nach. Einige von ihnen können durch Spätschicht oder Spätdienst noch nicht einmal immer das wöchentliche Training absichern. Sie sind viermal die Woche für den Handball unterwegs, weil ihnen der Sport Spaß macht.“
Außerhalb jeder Kritik stehen für Remme die beiden Trainer Jens Friedrich und Mario Kühne. „Die Kritiker, die jetzt auch auf die beiden Trainer schimpfen, sollten mal in einer ruhigen Minute das Gespräch mit den Beiden suchen und sich erklären lassen, was sie alles Woche für Woche leisten. Da ist nicht nur die Absicherung des Trainings- und Wettspielbetriebs. Da gehört die Trainingsvorbereitung dazu, genau wie die Spielvorbereitung. Wir sind sehr froh, dass wir solche zwei Sportfreunde haben, die sich so in ihre Aufgabe hineinknien.“
Dass die Mannschaft gegen den HC Einheit Halle (35:35) und jetzt gegen den HC Einheit Plauen (29:29) in den Schlussminuten einen Vorsprung noch aus der Hand gab, das macht Remme am nicht vorhandenen Spielmacher fest. „Im Vorjahr hatten wir mit Ferenc Bergner und Michael Remme Spieler, die im Positionsangriff das Spiel schnell gemacht haben oder auch einen Spielzeug bis zur drohenden Passivität heruntergespielt haben. So ein Leitwolf fehlt im Moment in der Mannschaft.“
Uwe Remme schloss nicht aus, gerade auf dieser vakanten Position vielleicht noch einmal auf dem Spielermarkt aktiv zu werden.

OTZ

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