Dez 21, 8 Monaten ago

Kreuzritter geben den Spielverderber

Platz zwei für SV Hermsdorf im Pokal

Breitungen. Man sei womöglich der Spielverderber gewesen. Zumindest so ein wenig. Mit seinen Worten verweist Pierre Liebelt, seines Zeichens Trainer des SV Hermsdorf, dass denn sein Team im Halbfinale des Thüringer Amateurpokals in Sachen Handball Gastgeber Werratal besiegte. 19:19 lautete der Spielstand nach Abpfiff der regulären Spielstand, die sich in diesem Fall über zweimal 20 Minuten erstreckte. Ergo: Verlängerung – und zwar über zweimal fünf Minuten. Die Handballer aus dem Holzland nutzten die Zugabe, konnten sie doch am Ende mit 23:20 über die HSG triumphieren, was einer kleinen Genugtuung gleich kam, schließlich hatten die SV-Protagonisten noch eine Rechnung mit dem Gastgeber offen. Stichwort: Thüringenliga.

Im Finale, das 60 Minuten Spielzeit betrug, traf der SV Hermsdorf auf Suhl, die sich wiederum im Halbfinale gegen den Sonneberger HV mit 23:22 durchsetzen konnten. Am Ende mussten sich die Holzländer mit 27:30 (17:16) geschlagen geben. „Vielleicht haben bei uns die Kräfte nicht mehr ausgereicht“, resümierte Pierre Liebelt, der damit auch auf den überschaubaren SV-Kader am vergangenen Sonnabend verweist, fehlten doch unter anderem Maximilian Remde, Stefan Riedel oder Petr Nedved. Nichtsdestotrotz führte der SV Hermsdorf zwischenzeitlich mit drei Toren. „Bis zur 50. Minuten lagen wir durchgehend in Führung, doch Suhl hat bereits im Halbfinale recht eindrucksvoll demonstriert, was sie an diesem Tag abrufen können. Zeitweise hatte Sonneberg keine Chance“, schob der SV-Coach hinterher. Nicht umsonst würden die Handballer aus der Waffenstadt den Status des „Favoritenschrecks“ besitzen.

Der überragende Spieler bei besagtem Pokal-Stelldichein in den Reihen des SV Hermsdorf sei laut dem Trainer Martin „Ehminator“ Ehm gewesen. Darüber hinaus zeigte sich der Coach mit der Abwehrleistung – besonders gegen Werratal – sehr zufrieden, gerade mit Blick auf das Zusammenspiel von Abwehr und Torhüter. „Wir haben ruhig und diszipliniert gespielt“, so der SV-Trainer, der jedoch mit seinem nächsten Atemzug auf das Defizit im Spiel seines Teams verwies: das Konterspiel. Diesbezüglich hätten seine Spieler zu oft die falsche Entscheidung getroffen, wurde der Ball von des Gegners Abwehr doch regelmäßig abgefangen. Alles in allem könne er jedoch mit dem Erreichten leben, so Pierre Liebelt, der nicht aktiv in das Geschehen eingreifen musste, da Robert Zehmisch, der als einziger Keeper mitreiste, durchspielte.

Otz/20.12.2017

Vorbericht vom 16.12.2017/ Otz/ Marcus Schulze

Kein Werratal-Accessoire in der Sporttasche

Heute reist der SV Hermsdorf für den Pokal nach Breitungen, wo er zuerst auf den Gastgeber Werratal trifft – den Ex-Verein von Pierre Liebelt

Von Marcus Schulze

Breitungen. Es ist der Nullpunkt unseres Koordinatensystems – und letztendlich würde es uns auch stets wieder dort hinziehen. Es war der große Soziologe Alfred Schütz (1899 bis 1959), der mit diesen wunderbaren und leicht analytisch anmutenden Worten das Phänomen namens Heimat im vorigen Jahrhundert charakterisierte. Womöglich auch etwas romantisierte.

Münzt man entschlossen jenen Gedankengang des Denkers auf den Trainer des SV Hermsdorf um, also Pierre Liebelt, wird er eben heute exakt jene Reise gen biografischen Nullpunkt antreten, schließlich begann ja für ihn einst alles da in Breitungen in Sachen Handball, genauer bei der HSG Werratal. Oder wie er selbst mit einem Augenzwinkern formuliert: Dort habe er das Einmaleins des Handballs gelernt. Es war – oder ist – das Sportzentrum in Breitungen, in dem Pierre Liebelt womöglich erstmals in seinem Leben mit dem kleinen Leder bewusst konfrontiert wurde. Er muss so um die zehn Jahre alt gewesen sein, als er denn zum ersten Mal jenes Sportzentrum betrat. „Damals befand sich die Halle, die noch massiv den Osten beschwor, aber noch im Umbau. Lediglich eine Tribüne gab es.“ Doch so sehr dem SV-Trainer noch der erste Eindruck geläufig ist, so wenig kann er sich an sein letztes Wirken in besagtem Zentrum erinnern. Diesbezüglich kann er nur im Dunkeln ein wenig herumstochern. Wahrscheinlich so vor vier oder gar fünf Jahren, als er denn anlässlich eines Weihnachtsturnieres in der alten Heimat bei seiner Familie war.

Sonneberg laut Pierre Liebelt stärkstes Team

Und an jener für ihn emotional aufgeladenen Spielstätte wird nun heute das „Final-Four-Turnier“ ausgetragen, bei dem neben der gastgebenden HSG Werratal sich auch noch Sonneberg und auch Suhl die Ehre geben werden. Zuerst wird das Team von Pierre Liebelt im quasi Halbfinale, welches über zweimal 20 Minuten geht, auf eben die Handball-Gemeinschaft aus Werratal treffen – und da hätte sein Team und er ja noch so einiges gutzumachen. „So ein bisschen“, sagt der Trainer mit einem Augenzwinkern und verweist auf die bitte Niederlage im Oktober zuhause gegen die HSG. Sollte eine Revanche gelingen, würde sein Team entweder auf Suhl oder Sonneberg treffen, wobei Pierre Liebelt die Handballer aus dem fränkisch geprägten Raum in Südthüringen stärker einschätzt. Überhaupt wäre es eine interessante Neuauflage gegen den Sonneberger HV, gegen den der SV Hermsdorf in der Liga 19:29 vor gut einem Monat verlor. Kurzum: Es wäre laut Trainer die reizvollere Aufgabe.

Bezüglich des Handball-Trips gen eigene Vergangenheit ist der Coach nicht sonderlich nervös. Im Gegenteil, er freut sich auf das Unterfangen. Und womöglich könnte es passieren, dass Pierre Liebelt aktiv in das Geschehen da im Sportzentrum eingreifen muss, da weder Petr Nedved noch die weiteren Torhüter Felix Hentschel oder Rene Meißner mit von der Partie sein werden. Und da nun einmal Robert Zehmisch ein wenig an der Schulter laboriert, ist es nicht gänzlich ausgeschlossen, dass auch Pierre Liebelt zwischen den Pfosten Dienst schiebt. „Die Sporttasche werde ich prophylaktisch lieber einmal mitnehmen.“ Ansonsten werden auch noch Stefan Riedel und Maximilian Remde aufseiten des SV Hermsdorf fehlen.

Welchen Stellenwert denn das Turnier für ihn und sein Team besitze? „Es passt ganz gut, denn so verlieren wir nicht unseren Rhythmus. Gleichzeitig können wir das Turnier schon als Vorbereitung für die Rückrunde nutzen, schließlich wollen wir auch ein paar Dinge ausprobieren, die wir im Training einstudiert haben“, so der Coach, der jedoch auch betont, dass man natürlich, wenn man denn schon einmal vor Ort ist, gewinnen möchte. „Hinfahren, das Maximum herausholen und, wenn es denn möglich ist, auch noch etwas Spaß haben“, so das Credo des Trainers.

SV-Trainer gibt auch den zweiten Keeper

Apropos Sporttasche. In dieser wird sich nicht jenes modische Überbleibsel aus längst vergangenen Tagen befinden, die Pierre Liebelt auch schon einmal im Training kredenzte. Das symbolhafte beladene Stück Stoff wolle er nicht mitnehmen, zu groß sei seine Angst davor, dass es in Mitleidenschaft gezogen werde oder es sich gar ein einheimischer Schlachtenbummlern unter den Nagel reiße.

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