Jan 10, 4 Monaten ago

Den Faden in der 40. Minute verloren

Der SV Hermsdorf unterliegt beim LSV Ziegelheim 27:33 (15:14) und beendet damit die Hinrunde in der Thüringenliga auf Platz 7

Von Marcus Schulze

Ziegelheim. Manche Fragen beantworten sich von selbst. Vielleicht sind sie sogar überflüssig, kommen im rein rhetorischen Gewand daher, damit der Fragende einen Sachenverhalt in quasi letzter Instanz vollenden kann. Oder um noch etwas Knackiges, Zitierfähiges aus seinem Gegenüber herauszukitzeln. „Natürlich haben wir uns im Vorfeld mehr ausgerechnet“, lautet da die Antwort von Pierre Liebelt auf eben jene Frage, die dann so oft – gerade in der Welt des Sports – gestellt wird. Sie ist wahrscheinlich so alt wie die eigentliche Sportberichterstattung und eigentlich auch überflüssig, denn im Normalfall treten Mannschaften im Ligaalltag gegeneinander an, weil sie gewinnen wollen. So auch das Motiv der Delegation aus dem Saale-Holzland-Kreis, schließlich ist der Leistungsvergleich ein geradezu fundamentales Grundprinzip des Sports. Zwar kann stets nur ein Team als Sieger den berühmt-berüchtigten Platz verlassen, doch triumphieren möchte stets ein jedes. Die Sache ist also recht simpel, zumal es nur drei Optionen im Handball gibt: Sieg, Niederlage oder Remis. Zugegeben, manchmal weiß ein Team bereits im Vorfeld, dass das gegen einen vermeintlichen Über-Gegner wohl nichts werden wird – das biblische David-gegen-Goliath-Prinzip – und nimmt eine Niederlage stoisch in Kauf, feiert womöglich ein Unentschieden wie einen Kanter-Sieg.

Nun ist es aber so, dass der LSV Ziegelheim, jene trotzige Handballfestung am östlichen Ende Thüringens, nicht zu besagten Über-Gegnern der Liga gehört. Aber, auch das muss an dieser Stelle erwähnt werden, in schöner Regelmäßigkeit den etablierten Größen da im Freistaat so einiges abverlangt. Dergleichen bekam nun auch der SV Hermsdorf am Sonnabend zu spüren, als sich denn Hinrundenabschluss und Jahresauftakt die Hände reichten. Ganz, ganz, lange Rede und massiv kurzer Sinn: Die Kreuzritter verloren recht deutlich da im Altenburger Land mit 27:33. Und damit rutscht das Team von Pierre Liebelt auf Tabellenplatz 7.

Der SV-Coach verweist auf die Phase ab der 40. Spielminute, als den Gästen aus dem SHK das Spiel fast schon schlagartig entglitt. Zuerst konnte Ziegelheims Oliver Kunz zum 18:18 egalisieren, anschließend erarbeitete sich das Team von Trainer Christian Vincenz binnen dreieinhalb Minuten einen Vorsprung von vier Toren (22:18), von dem sich die Kreuzritter nicht mehr erholen sollten. „Ab dem Ausgleich haben wir einfach nicht mehr das Tor getroffen und haben darüber hinaus aus auch sehr undiszipliniert gespielt“, resümiert Pierre Liebelt. Sein Team habe schlichtweg den Faden verloren, habe überhastet agiert, anstatt Spielzüge systematisch auszuspielen. „Ziegelheim hat uns am Ende ganz klassisch ausgekontert“, so das nüchterne Fazit des Trainers.

Jan Heilwagen, Felix Reis und Maximilian Remde konnten in der Folge zwar jeweils noch einmal auf eine Differenz von drei Treffern verkürzen (19:22/20:23/21:24), doch es handelte sich dabei lediglich um ein Strohfeuer in Sachen Aufholjagd, denn nach dem Tor von Remde schraubte der Gastgeber in den kommenden fünf Minuten seinen Vorsprung auf sieben Exemplare (29:22/51.) hoch; führte im Zenit seiner Dominanz sogar zweimal mit wahrlich beeindruckenden neun Toren (32:23/53. und 33:24/57.) Endstand: 33:27 für die Hausherren.

Doch bereits der Auftakt der Partie war von einem eher unrunden Charakter für die Gäste, lag Ziegelheim doch nach gut sechseinhalb Minuten mit 5:1 in Front; lediglich Marvin Schreck hatte bis dato etwas Zählbares erzielen können.

Nur ein Strohfeuer in Sachen Aufholjagd

Von dem holprigen ersten Minuten ließ sich der SV-Trainer jedoch nicht aus der Ruhe bringen, vertraute auf die Qualitäten seines Kaders, der dann auch besagtes Vertrauen mit Toren – zumindest in jener Phase – bestätigen sollte. Stefan Riedel, Jan Heilwagen, zweimal Felix Reis und Martin Ehm vom Sieben-Meter-Punkt läuteten zusammen eine Trendwende auf dem Parkett ein. Ergo: 6:6. Noch einmal gingen die Handball-Protagonisten von Christian Vincenz kurzweilig in Führung, doch Hannes Rudolph bescherte seinem Team die erneute Egalisierung – 7:7(17.) Es war schließlich der Ehminator, der mit zwei verwandelten Strafwürfen die Hermsdorfer in Führung brachte (8:7/9:7). Mitunter konnten die Gäste nun besagten Vorsprung auf drei Treffer maximieren (11:8/20.), doch nur fünf Minuten später wurden die Handball-Karten beim Stand von 12:12 neu gemischt. Noch einmal setzten sich die Mannen von Pierre Liebelt auf zwei Treffer (14:12) durch Jan Minas und Jan Heilwagen ab, doch auch dieses Polster war gut 30 Sekunden vor Abpfiff wieder Geschichte. Es war schließlich Felix Reis, der mit dem Pausenpfiff die wahrlich hauchdünne Führung von 15:14 erzielte. Nach der Pause oblag es Jungspund Tom Friedrich, der noch einmal die Hoffnung mit seinem Treffer zum 16:14 schürte, doch es sollte anders kommen.

„Wir hatten die Chance, uns zwischenzeitlich abzusetzen“, resümiert Pierre Liebelt, verweist jedoch auch auf das unzureichende Überzahl-Spiel seiner Mannschaft – und zwar die gesamte Begegnung über. Des Weiteren habe man den LSV-Protagonisten auf der mittleren Position sowie den gegnerischen Kreisläufer schlichtweg nicht unter Kontrolle bekommen. „In der Abwehr standen wir das ganze Spiel über einfach schlecht zum Kreis. Wir haben die Bälle nicht abgefangen. Da waren wir schon einmal weiter. Das gelang uns gegen Suhl viel besser“, erläutert der SV-Trainer samt vernehmbarer Enttäuschung in seiner Stimme. „Ziegelheim hat verdient gewonnen“, so die letzten lakonischen Worte des Trainers mit Blick auf den Auswärtstermin am östlichen Ende von Thüringen, mit dem die Hinrunde der Saison 2017/18 in der Thüringenliga für den SV Hermsdorf endete.

Statistik: Rudolph 4, Schreck 4, Reis 5, Riedel 1, Nedved, Heilwagen 3, Ehm 3, Zehmisch, Friedrich 1, Csikos 1, Remde 2, Krüger, Bachmann, Minas 3

Otz/09.01.2018/Marcus Schulze

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