Feb 27, 3 Monaten ago

Als Petr Nedved sein Tor zumauerte

Fast 16 Minuten erzielt der SV Hermsdorf in der zweiten Halbzeit kein Tor – und baut damit den HSV Ronneburg auf. Endstand:24:24

Von Marcus Schulze

Hermsdorf. Nedved, immer wieder Petr Nedved. In schöner Regelmäßigkeit verkündete der Hallensprecher und Schallplattenunterhalter Holger Posse den Namen des Schlussmannes in den Reihen der SV Hermsdorf. Und das aus gutem Grund, denn als bei den Kreuzrittern im Derby gegen den HSV Ronneburg im zweiten Akt in der Offensive partout nichts klappen wollte, wie reden von fast 16 torlosen Minuten, war es die tschechische Katze, die den Gastgeber im Spiel hielt.

Es gab da so drei Minuten, in denen mauerte Nedved kurzerhand sein Tor zu, flog matrix-artig durch die Luft oder bekam noch irgendwie seinen Fuß an den Ball, sodass dieser abgefälscht wurde. Unter anderem hielt er beim Stand von 20:20 in 45. Minute einen Siebenmeter von Ronneburgs Mirko Alexy, konnte nur wenige Augenblicke später gar einen Alleingang von eben Mirko Alexy vereiteln. Anschließend ließ Petr Nedved seinem Torwart-Wahnsinn freien Lauf, schrie sich die ganze Erleichterung von der Seele und bezog den vorbeilaufenden Alexy kurzerhand mit ein.

Doch irgendwann musste er dann doch einmal hinter sich greifen – und damit ging der HSV in Führung (21:20), bevor Mirko Alexy vom Sieben-Meter-Punkt um ein weiteres Tor erhöhte.

Hannes Rudolph beendet torlose Zeit

Es war schließlich Hannes Rudolph, der der torlosen SV-Zeit mit seinem Sieben-Meter (21:22/54.) ein Ende bereitete, bevor es ihm Mirko Alexy von besagtem Punkt in der 55. Minute gleich tat – 23:21.

Die mitgereisten Ronneburger Schlachtenbummler waren nun selig, erhoben sich von ihren Plätzen und sangen. Doch die Euphorie der Blaugekleideten wurde jäh eingedämpft, als Jan Heilwagen binnen zwei Minuten dreimal traf. Plötzlich lag der SV Hermsdorf mit einem Tor (24:23/58.) in Führung. Jetzt erhoben sich die SV-Fans, die naturgemäß rot gekleidet daherkommen und waren selig, sangen und – schließlich ist man in der Hölle Ost – trommelten. Alles schien nun in diesem vollbesetzen Hexenkessel kurz vor Schluss noch möglich.

Es birgt nun eine gewisse Tragik in sich, dass Petr Nedved den Wurf von Silvio Stölzner zwar parieren konnte, das Rund jedoch anschließend nicht unter seine Kontrolle bekam. Der SV-Torhüter lag nach seinem ersten Abwehrmanöver in der Horizontalen auf der Torlinie, während er des über ihm oszillierenden Balles – hatte was von der Katze und einem Knäuel – nicht wirklich Herr wurde. Mehrmals versuche er ihn mit schnellen Bewegungen zu fangen, doch dergleichen misslang. Der Ball gab sich widerspenstig – 24:24 (59.) Die letzte Aktion der Partie, nachdem die reguläre Spielzeit bereits abgelaufen war, gebührte mit einem Freiwurf den Hausherren. Jan Heilwagen konnte das finale Unterfangen seiner Kollegen nicht mit ansehen, legte sich geradezu gebetsartig auf den Boden und wartete einfach nur noch ab – und manchmal wartet man eben vergebens. Es blieb beim Remis.

„Meines Erachtens waren wir die bessere Mannschaft – auch mit Blick auf die Torhüter. Doch wir haben den Gegner mit unseren Abspielfehlern und auch unseren technischen Fehlern stark gemacht“, resümierte Pierre Liebelt. Es spreche für die Defensive des SV Hermsdorf, dass man nur 24 Gegentore vom amtierenden Meister bekommen hätte. Es sei seinen Spielern gelungen, den gegnerischen Rückraum, laut Liebelt „der wurfgewaltigste der Liga“, zu entschärfen. „Ronneburg kam über den Kreis“, führte der Trainer weiter aus, der bei allem Lob für das Dargebotene seines Teams jedoch auch auf dessen Achillesferse verwies: „Wir haben fast 16 Minuten kein Tor erzielt. Da darf man am Ende über ein Unentschieden nicht klagen.“ In der Offensive habe er hie und da mitunter die Konsequenz vermisst, Angriffe zu Ende zu spielen. Außerdem habe man zu oft auf Altbewährtes zurückgegriffen, statt den Gegner vor neue Aufgaben zu stellen. „Doch die Mannschaft hat Moral bewiesen. Wir lagen zurück und hätten es am Ende fast noch geschafft“, sagte Pierre Liebelt.

Kein Team konnte sich in der Partie zwingend absetzen, ein Drei-Tore-Vorsprung (3:0/12:9/19:16/20:17) war das Höchstmaß seitens des SV Hermsdorf. In der erste Hälfte konnte der HSV nur einmal die Führung (13:12) übernehmen, bevor es beim Stand von 16:14 in die Kabinen ging. Auch Kapitän Robert Zehmisch verwies auf jenes Jammertal in puncto Tore, damit habe man den Gegner nach einer starken ersten Halbzeit aufgebaut – und deshalb könne er mit dem Ausgang des Derbys leben. Weniger harmonisch bewertete indes Hannes Rudolph das Geschehen. Um das Spiel zu charakterisieren, griff er lakonisch auf das berühmt-berüchtigte F-Wort zurück. Keine weiteren Fragen.

SV Hermsdorf: Rudolph (6), Schreck, Reis (7), Schreiber (1), Nedved, Hammer, Heilwagen (8), Ehm (1), Zehmisch, Friedrich, Csikos (1), Remde, Krüger, Minas

Otz/26.02.2018/Marcus Schulze

Ein Plausch nach der Partie … mit Jan Heilwagen: „Die Tore sind mir nicht so wichtig“

Der kleine Flügelflitzer ging beim Derby besonders beherzt zu Werke.

Haben Sie am Ende gebetet?

Nein, es war einfach nur spannend. Ich wollte nicht hinsehen.

Mario Kühne hat sie während des Spiels von seinem Balkon aus ermahnt. Sie wirkten mitunter etwas ungehalten, haderten mit Entscheidungen und warfen den Ball weg?

Auch Pierre und meine Teamkollgen haben mich beschwichtigt. Ich bin sehr leidenschaftlich. Emotionen gehören zu einem Derby. Gerade vor einer solchen Kulisse?

Wie war die Atmosphäre?

Einfach super, die Halle war voll. Es hat einfach nur Spaß gemacht, hier zu spielen. Außerdem ging es fair zu.

Ihre Freundin behauptet, dass ihre selbstgemachten Burger zum Mittag eine Aktie an Ihren Toren hätten?

Womöglich haben ihre Kochkünste auch dazu beigetragen. Doch mir sind die Tore nicht so wichtig, schließlich ist Handball ein Mannschaftssport, die Jungs müssen mich erst einmal freispielen.

Waren die Burger lecker?

Ich verstehe die Frage nicht.

OTZ / 26.02.18

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