Apr 18, 4 Monaten ago

Ufta-Premiere in den eigenen vier Wänden

Der SV Hermsdorf schickt die SG Suhl/Goldlauter mit einem beeindruckenden 37:21-Triumph direkt wieder zurück in den Thüringer Wald

Von Marcus Schulze

HERMSDORF Martin Ehm schonte sich nicht – und das, obwohl das Spiel vorbei war. Der Ehminator verlangte seiner Stimme alles ab, schließlich gab er den verbalen Einpeitscher für den Ufta-Tanz. Er hatte, wenn man denn so will, das Party-Kommando. Und so schrie er lautstark durch die Werner-Seelenbinder-Halle. Ja, er hing sich so richtig rein, und alle hingen an seinen Lippen bei diesem allseits beliebten Sportritual, das in dieser Saison – überhaupt nach langer Zeit – im Handball-Epizentrum im Holzland endlich mal wieder dargeboten wurde. Wie es der Ehminator nur so lange ohne Ufta und dergleichen aushalten konnte?

Konnte die Woche zuvor jenes hüpfende Spektakel bereits in Sonneberg dargeboten werden, feierte es am vergangenen Sonnabend seine Premiere in den eigenen vier Wänden. Und das aus gutem Grund, schließlich wurden die Handballer der SG Suhl/Goldlauter regelrecht auseinandergenommen. 37:21 lautete der Spielstand nach 60 Minuten – und alle waren da selig, gleich ob SV-Protagonist oder Fan. Die da unten und die auf der Tribüne verschmolzen zu einer großen Handball-Familie. Harmonie und so, wenn nur diese schreckliche Musik von diesem Typen in Lederhosen aus den österreichischen Alpen dazu nicht laufen würde. Aber das nur als Randnotiz, schließlich sprach der Coach nach der Partie von der besten Saisonleistung seines Teams.

Geschichte des Spiels schnell erzählt

Die Geschichte dieser Begegnung ist dann auch ziemlich schnell erzählt, da das Team von Pierre Liebelt nach 24 Minuten mit zehn Treffern (17:7) führte. So manch einer konnte es kaum glauben. Eigentlich brauchte man das Spiel auch nicht verfolgen, denn immer dann, wenn das Trommelkollektiv eine Idee mehr ihre Felle beanspruchte, konnte man sich sicher sein, dass die Hausherren gerade wieder ein Tor erzielt hatten. „Irgendwann habe ich mal auf den Spielstand geschaut und habe meinen Augen nicht getraut“, berichtete Hannes Rudolph des Nachts in Jena, als denn der Sonntag noch sehr jung war. Er hatte auch eine Erklärung für den Lauf der Kreuzritter, der am Sonnabend seinen vorläufigen Höhepunkt fand: „Es ist das Team. Es passt einfach alles. Wir ergänzen uns alle, wir harmonieren sehr gut.“

Das erste Tor der Partie gebührte Mike Anlauf, der mit dem Rücken zum Tor wahrlich unkonventionell verwandelte. Es sollte ein Vorgeschmack für den weiteren Verlauf des Spiels werden, zumal die Mannen von Pierre Liebelt die Führung nicht mehr aus der Hand geben sollten. Viermal konnten die Handballer aus der Waffenstadt auf zwei Treffer (2:4/3:5/4:6/5:7) verkürzen, das war es dann aber auch. Nach den ersten zwölf Minuten, als sich die beiden Teams noch halbwegs auf Augenhöhe begegneten, standen dann alle Zeichen auf Einbahnstraßen-Handball. Halbzeitstand: 21:9. Alles wurde dargeboten, sei es die Athletik eines Felix Reis, die Schlitzohrigkeit eines Jan Heilwagen, die Gewaltwürfe eines Maximilian Remde, das Agieren eines Hannes Rudolph am Siebenmeter-Punkt – erinnerte so ein bisschen an Keith Richard — oder die souveräne Spielgestaltung eines Jan Minas auf der Mitte. Von Robert Zehmisch im Tor ganz zu schweigen.

Dem Trainer selbst fehlten am Ende so ein wenig die Worte, die Zahlen würden indes für sich sprechen, so sein lakonischer Kommentar. Darüber hinaus verwies er auf den Umstand, dass sich Stefan Riedel nahtlos in das System eingefügt hätte, obwohl er nur sehr sporadisch trainieren könne. „Das alles ist ein Beleg dafür, dass das Klima in der Mannschaft stimmt“, resümierte Pierre Liebelt.

Platz 2 bei der Endabrechnung soll es nun unbedingt werden. „Wir haben geliefert. Es liegt nun an den anderen Mannschaften“, sagte der Trainer, der damit bereits auf das Spiel von Jena gegen Mühlhausen an diesem Sonnabend blickte.
Hermsdorf:Rudolph 6, Schreck 1, Reis 5, Schreiber 3, Riedel, Nedved, Hammer 2, Heilwagen 6, Ehm, Zehmisch, Anlauf 3, Remde 7, Krüger, Minas 4

Otz/Marcus Schulze/17.04.2018

Otz- Vorbericht

Angriff auf Platz zwei bei der Endabrechnung

Heute empfängt der SV Hermsdorf die Handballer der SG Suhl/Goldlauter, gegen die man im Finale des Pokals in Breitungen unterlag

Von Marcus Schulze

HERMSDORF Der Auftritt der Kreuzritter am vergangenen Wochenende hat Spuren hinterlassen – zumindest beim Sonneberger SV. Denn wie nun der Handball-Verein aus der Spielzeugstadt auf seiner Internetseite verkündete, trennte er sich er sich im Laufe der Woche von insgesamt fünf Spielern: Kapitän Philipp Oehrl, Moritz Weitz, Tom Rehm, Thorsten Zimmermann und Nils Boseckert. Alle, so ist es einer Pressemitteilung des Vereins zu entnehmen, wollten den Verein erst nach der Saison verlassen. „Man hat gespürt, dass es innerhalb der Sonneberger Mannschaft Spannungen gab“, berichtet Pierre Liebelt, der sich nach dem 29:27-Sieg seins Teams am vergangenen Sonnabend in eben Sonneberg mit einem der mittlerweile geschassten Spieler unterhielt. Der SV-Coach nutzte die Gunst der Stunde, als denn der mittlerweile ehemalige Sonneberg-Protagonist der Gastmannschaft einen Kasten Bier und einen Kasten Wasser – so die Tradition unter Handball-Mannschaften – in die Kabine brachte.

Tja, so präsentiert sich mitunter das Dasein in der Welt des Sports: bei der einen Mannschaft zerplatzen mögliche Aufstiegsträume wie Seifenblasen, bei der anderen gibt es indes wenig zu beanstanden. Die Handballer des SV Hermsdorf machen im April dort weiter, wo sie denn im März aufhörten. Sie holen Punkte, nach Möglichkeit stets zwei. Was den heutigen Gegner – nach Goldbach/Hochheim und eben dem Sonneberger SV – aus Suhl betrifft, verweist Pierre Liebelt umgehend auf das verlorene Pokalfinale im Dezember in Breitungen, als sich denn der SV Hermsdorf den Handballern aus der Waffenstadt mit 27:30 geschlagen geben musste. Er beschwört die Wiedergutmachung. Entscheidende Spielerpersönlichkeiten in den Reihen der SG Suhl/Goldlauter seien laut Liebelt zum einen Kriszitan Galli auf der Mitte, zum anderen Michael Frank im Rückraum auf der linken Seite. Dieser sei von durch und durch wuchtiger Natur, würde diesbezüglich Maximilian Remde ähneln, wie denn der SV-Coach erläutert.

Außerdem weiß der Trainer zu berichten, dass denn die SG Suhl/Goldlauter während der vergangenen Spieltage mit personellen Problemen zu kämpfen hatte. Mitunter war der Kader von Trainer Daniel Hellwig dermaßen dezimiert, dass dieser höchstpersönlich in das Geschehen mit eingreifen musste. Am 24. März beim Auswärtstermin in Altenburg steuerte der SG-Übungsleiter sogar zwei Tore zum 24:24 seiner Mannschaft bei. Pierre Liebelt und Daniel Hellwig verfügen zudem beide über eine gemeinsame Vergangenheit in Werratal.

Drei Partien noch für SV Hermsdorf

Gegen die Gäste wird Pierre Liebelt nicht auf Gabor Csikos zurückgreifen können. Des Weiteren ist der Einsatz von Martin Ehm ungewiss, fühlte sich dieser die Woche über doch nicht so behaglich.

Mit den drei Partien, welche die Kreuzritter in der Thüringenliga noch bestreiten müssen, soll Platz 2 bei der Endabrechnung ins Visier genommen werden. „Wir werden auf jeden Fall angreifen“, sagt Pierre Liebelt, verweist aber auch darauf, dass es sein Team nicht mehr selbst in der Hand hat. „Jena kann uns jedoch mächtig in die Karten spielen, da sie noch gegen Mühlhausen und Eisenach II spielen müssen“, betont der SV-Coach.

Otz/Marcus Schulze/14.04.2018

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