Okt 25, 2 Monaten ago

„Sie haben wirklich gekämpft“

Im dritten Anlauf gelingt dem SV Hermsdorf der erste Saisonsieg in der Landesliga. 22:17 (9:8) besiegen sie TSG Ruhla

Von Marcus Schulze

Hermsdorf. Emma Köhler gab die Stimmungskanone. Sie war die erste SV-Spielerin, die nach dem Sieg zu den Zuschauern rannte und die Hände gen Hallendach streckte. Ihre Teammitglieder schlossen sich ihr umgehend an. Und auch Holger Panzner reihte sich ein. Der Trainer genoss ebenfalls sichtbar den euphorischen Moment da am Sonntag in der Werner-Seelenbinder-Halle, als denn sein junges Team seinen ersten Erfolg in der noch jungen Saison in der Landesliga feiern konnte. 22:17 siegte der SV Hermsdorf über die TSG Ruhla – und danach brachen so ein wenig die Dämme. „Das war für uns heute ein ganz wichtiger Sieg. Er war wichtig für die Moral. Sie haben gesehen, dass sie bestehen können“, sagte ein erleichtert wirkender Holger Panzner nach dem Abpfiff.

Von besagter Leichtigkeit war er in jener Phase, in der die letzte Viertelstunde der Begegnung anbrach, weit entfernt. Der SV-Coach, eher ein stoischer Vertreter seiner Zunft, lief an der Außenlinie unruhig auf und ab, gab zudem lautstarke Anweisungen, was für ihn eher untypisch ist. Doch dergleichen war ein eher hoffnungsvolles Zeichen, Panzner spürte, dass sein Team heute als Sieger vom Platz gehen könnte. 17:13 (47.) lautete in jenen Momenten der Spielstand. Zuvor, und zwar in der 37. Minute, distanzierten sich die Damen des SV jedoch ein stückweit von ihrem ersten Triumph. Den Handballerinnen aus Ruhla gelang die Egalisierung zum 12:12, eineinhalb Minuten später dann zum 13:13.

Dergleichen gab es nur zweimal im ersten Akt (1:1/4. bzw. 4:4/10.), ansonsten lagen die Handball-Fohlen aus Hermsdorf stets in Führung. Beim Stand von 9:8 erklang indes die Pausensirene.

Das Nesthäkchen macht zwei Tore

Die folgenden Tore von Hanna Dörfer (14:13/40.) und Isabell Nidoschefsky (15:13/41.) waren in dieser Phase geradezu überlebenswichtig. Doch nicht nur die, auch der gehaltene Sieben-Meter von Sarah Meißner in der 43. Spielminute war nicht minder von Bedeutung.

Generell waren es nicht nur die erfolgreichen Offensivaktionen des SV Hermsdorf, auch die Torhüterinnen Steffi Lippold und eben Sarah Meißner hatten eine riesige Aktie daran, dass der SV die Oberhand behielt. Dazu gesellte sich auch noch ein Quäntchen Glück, denn die Gäste aus der Bergstadt in Westthüringen hatten Chancen, trafen jedoch in jenen Minuten bevorzugt das Gebälk.

Das Spiel der Holzländerinnen war indes nicht frei von Fehlern, doch es gab da eine Szene, in der sich letztlich all das Positive, wenn nicht gar das Entscheidende, ihres Auftretens an diesem Nachmittag widerspiegelte. Eine Ruhla-Protagonistin brach nach einem Abspielfehler des SV Hermsdorf am gegnerischen Kreis allein gen SV-Gehäuse auf, doch Lena Kirsch und Michelle Nidoschefsky rannten ihr beherzt hinterher und konnten letztlich ihren Torwurf noch vereiteln. Es war ein Akt des Willens, der insbesondere Holger Panzner glücklich stimmte. „Die Abwehrleistung war für mich heute überragend. Sie haben wirklich gekämpft“, resümierte der Coach, der jedoch auch darauf verwies, dass sein junges Team, im Vergleich zu den gestandenen in der Liga, eigentlich einen Zacken schneller unterwegs sein müsste. Nichtsdestotrotz, wenn sein Team die Woche zuvor gegen Behringen/Sonneborn in gleicher Manier aufgetreten wäre, hätte man ebenfalls gesiegt, sinnierte Panzner.

Die gerade erst 16-jährige Michelle Nidoschefsky blickte nach dem Laufduell etwas fassungslos aus der Wäsche, fast so, als ob sie nicht recht glauben könne, dass sie dergleichen gerade geschafft hatte. Doch damit nicht genug, erzielte das Nesthäkchen in den SV-Reihen doch auch noch ihre ersten beiden Tore für die Damen. Gerade ihr Treffer zum 16:13 (46.) war von ganz wichtiger Natur. Anschließend bauten die abgezockte Emma Köhler und die flinke Lena Kirsch die Führung auf fünf Treffer (18:13/49.) aus.

Die Gäste bäumten sich noch einmal gegen die drohende Niederlage, konnten noch zweimal ihren Rückstand auf drei Treffer verkürzen (15:18/50. bzw. 16:19/51.), doch als Michelle Nidoschefsky ist zweites Tor (20:16/ 53.) erzielte und Hanna Dörfer die SV-Führung dann auf fünf Tore ausbaute (21:16/54.), nahm nun auch Holger Panzner da an der Außenlinie wieder auf der Bank Platz. Obwohl, einmal sprang er noch auf. Und zwar kurz bevor die letzte Spielminute anbrach, als Sarah Meißner erneut einen Sieben-Meter hielt.

„Wir sind heute wie eine Mannschaft aufgetreten. Wir haben nach vorne und nach hinten gearbeitet. Und obwohl ich heute permanent gedeckt wurde, haben die anderen Mädels gezeigt, dass sie auch mit einer Person weniger im Angriff Tore erzielen können. Ich finde, dass das heute ein richtig gutes Spiel von uns war“, so das Fazit von Emma Köhler, die über beide Ohren strahlte.

SV Hermsdorf: Dämmrich, Dörfer 6, Nidoschefsky I. 2, Kirsch 5, Nidoschefsky M. 2, Fischbach, Lippold, Meißner, Köhler 6, Hacker 1, Lewandrowski,

OTZ / Marcus Schulze / 24.10.18

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