Sep 12, 7 Monaten ago

„Das war Angsthasen-Handball“

Der SV Hermsdorf unterliegt Apolda im Derby in der Mitteldeutschen Oberliga

Apolda Mario Kühne beschwor ein Bild. Eines, mit dessen Hilfe er die Leistung seines Teams gegen den HSV Apolda charakterisierte: jenes von der Schlange und dem Kaninchen; wobei das Kaninchen seine Mannschaft, der SV Hermsdorf, war – zumindest während des ersten Aktes.

„Wir haben komplett den Start verschlafen, unser Rückraum hat da komplett versagt. Ja, wir haben uns billig ausspielen lassen – das war absoluter Angsthasen-Handball“, monierte der Trainer nach dem Derby gegen den HSV Apolda. Und letztlich sollten sich die Handballer aus dem Holzland von dem missglückten Auftakt – nach sieben Minuten lagen die Gastgeber 6:0 in Führung – nicht mehr erholen. Endstand: 27:31 (9:15).

Nun ist Mario Kühne dafür bekannt, in schöner Regelmäßigkeit Tacheles zu reden. Er ist kein Anhänger des gemeinen Euphemismus, doch nachdem er sich an den Defiziten in seinen Reihen kurz und knackig abgearbeitet hatte, widmete er sich dem positiven Aspekten der Begegnung am Samstagabend in der Glockenstadt – die habe es auch gegeben: So erinnerte er an jene Phase des zweiten Aktes, in der es seinen Handballern gelang, den Rückstand von mitunter acht Toren (13:21/40.) auf zwei (24:26/54.) zu reduzieren. Eine fragwürdige Zeitstrafe für Fritz Reis samt Siebenmeter für Apolda seitens der Unparteiischen habe der Aufholjagd seines Teams jedoch ein jähes Ende beschert. Danach waren die Gastgeber dreimal erfolgreich und fanden sich gut viereinhalb Minuten vor Ultimo mit einem Spielstand von 29:24 in einer formidablen Situation wieder.
„Wir hatten in der Schlussphase das Momentum zweifelsohne auf unserer Seite, doch am Ende muss man einfach sagen, dass wir die Partie während der ersten 30 Minuten verloren haben. Da waren wir schlichtweg nicht auf der Platte – wir haben uns das selbst zuzuschreiben. Nichtsdestotrotz: Die Moral stimmt im Team – das kann ich nicht anders sagen! Wir haben gekämpft und standen als Team zusammen und haben uns gemeinsam gegen die Niederlage gestemmt“, resümierte der SVH-Coach, der jedoch auch betonte, dass es sich beim HSV Apolda um einen Gegner auf Augenhöhe gehandelt habe – im Gegensatz zum HC Aschersleben die Woche zuvor zum Saison-Auftakt.

Besonders angetan zeigte sich der Trainer indes von den Leistungen seiner Torhüter Torge Dunst und Thomas Haugk. „Torge hat in der ersten Halbzeit überragend gehalten und uns im Spiel gehalten. Thomas wiederum hat sich nach seiner Einwechslung in der zweiten Halbzeit gleich viermal ausgezeichnet.“ Darüber hinaus fand er lobende Worte für Kevin Elsässer-Pech: Obwohl er gesundheitlich angeschlagen war, stellte er sich punktuell in den Dienst der Mannschaft und erzielte zwei Tore in der Sporthalle „Am Sportpark“. „So etwas ist keine Selbstverständlichkeit und ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Einstellung bei uns stimmt.“

Die erfolgreichsten Werfer in den Reihen der Hermsdorfer waren indes Felix Reis, der sieben Tore erzielte, jedoch erst im zweiten Akt zu seiner gewohnten Form fand, und Paul Götze, der fünfmal traf und gegen Aschersleben aus privaten Gründen fehlte.

Letztlich gab sich Mario Kühne am Sonntag – unmittelbar nach dem WM-Triumph der deutschen Basketballer – äußerst zuversichtlich, auch wenn sein Team nach zwei Spieltagen auf dem letzten Tabellenrang rangiert: „Wir werden noch drei bis vier Wochen benötigen, bis wir uns endgültig gefunden haben, doch dann werden wir uns für unsere Mühen belohnen können.“

OTZ, 12.09.2023

Share "„Das war Angsthasen-Handball“" via

Hinterlasse eine Nachricht

Sie müssen logged in to post a comment.

More in News Männer 1
Nov 1, 6 Monaten ago

„Das war ein verdammt wichtiger Sieg“

Handball: SVH gewinnt erstmals in Freiberg Hermsdorf Mario Kühne wirkte wahrlich gelöst – ein Gemütszustand, den er als Trainer der Handballer des SV Hermsdorf in dieser Saison noch nicht erleben durfte: sieben Niederlagen und ein Unentschieden …

Read   Comments are off
Nov 1, 6 Monaten ago

„Eine Familie lässt man nicht im Stich“

Warum Stefan Riedel weiterhin bei Hermsdorfs Handballern auf dem Parkett steht und warum es im Spiel nicht läuft Hermsdorf Nicht selten spiegelt sich die gesamte Tragik eines Scheiterns in einer einzigen Situation wider – so auch bei den Handballe…

Read   Comments are off
Nov 1, 6 Monaten ago

Popko macht den Unterschied

Hermsdorf Ronja Popko war die auffälligste Hermsdorferin zum Saisonauftakt in der Handball-Thüringenliga der Frauen, die nun unter Oberliga Thüringen firmiert. Die Spielmacherin war es, welche die Holzländerinnen gegen den Aufsteiger LSV Ziegelhe…

Read   Comments are off