Mrz 16, 4 Monaten ago

„Das ist eine krasse Situation“

Fürs Erste ruht der Spielbetrieb in allen Ligen – ob Handball, Fußball oder Basketball. Drei Trainer schildern ihre Sicht

Marcus Schulze

Jena/Hermsdorf/Stadtroda Mario Kühne kommt schnell zum Punkt. Die vorläufige Einstellung des Spielbetriebs in allen Thüringer Handballligen bis vorerst 19. April sei natürlich in sportlicher Hinsicht wenig erfreulich. Der Trainer und Manager des SV Hermsdorf lässt jedoch keinen Zweifel daran aufkommen, dass das Thema Gesundheit absolute Priorität genießen müsse. Immer. Doch Kühne verweist auch auf einen anderen Aspekt: das liebe Geld. „Auf dem Papier haben wir noch vier Heimspiele. Sollten die nun alle ausfallen, haben wir definitiv einen finanziellen Schaden zu beklagen. Das ist Geld, mit dem wir gerechnet haben“, sagt Kühne.

Den Zuschauerschnitt bei den Heimspielen der Kreuzritter in der Saison 2019/20 beziffert der Trainer mit 400. Eine Karte für Erwachsene kostet fünf Euro, die für Kinder drei. Dazu gesellen sich noch die Einnahmen aus der Versorgung (Grill, Bier, belegte Brötchen etc.). Außerdem müsse man bei der Rechnung auch berücksichtigen, dass es Partien – wie etwa gegen Ziegelheim – gibt, bei denen auch reichlich gegnerische Fans gen Hermsdorf reisen. Ein weiteres Zubrot also, das nun auch wegfallen könnte.

„Das ist gerade alles etwas vage“, sagt der Trainer, der mit einem Verlust von bis zu 10.000 Euro oder gar mehr rechnet. „Sicherlich, die Entscheidungen die hinsichtlich des Spielbetriebs getroffen worden, sind absolut nachvollziehbar und auch konsequent, aber sie können einem Verein auch einen großen Schaden zuführen.“

Drei Busse und zwei Autos müssen monatlich seitens der GmbH bezahlt werden. Kühne spricht von 1500 Euro. Kosten, die – Corona hin, Corona her – fürs Erste weiter bestehen würden. Dazu gesellen sich dann auch noch die Kosten für die Mannschaft, wobei Mario Kühne keine finanziellen Details preisgeben möchte. Ein großes Fragezeichen stehe zudem zur Thematik Training. Schließlich könne man nicht ausschließen, dass alle Turnhallen und Spielstätten seitens der Stadtverwaltung oder des Landratsamts geschlossen werden. „Alles in allem ist das eine krasse Situation“, bilanziert Kühne.

Und wie reagieren seine Handballer auf die Entwicklung rund um das Corona-Virus? „Sie machen auf mich alle einen entspannten Eindruck, doch es ist zweifelsohne ein Thema. Es wird sich darüber natürlich ausgetauscht“, berichtet Kühne, der sich seitens der Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung ein konsequentes Agieren wünscht und weniger Stückwerk. Eines steht für ihn aber fest: „Wir müssen es ernst nehmen!“

Auch Thomas Fritsche handhabt es so mit der Corona-Materie. Der Präsident des Thüringer Basketball Verbandes und Geschäftsführer des USV Jena schloss sich mit seinen Mitstreitern der Empfehlung des Deutschen Basketball Bunds an, den Spielbetrieb vorläufig einzustellen. „Für uns war sofort klar, dass wir uns in Thüringen der Empfehlung des DBB anschließen. Es mag bei der Zahl der Infizierten im ersten Moment übertrieben klingen, aber es geht nun einmal darum, die Kontakte einzuschränken, um der Virus-Ausbreitung nicht Vorschub zu leisten“, sagt Fritsche. Doch damit nicht genug, würden laut Fritsche viele Vereine im Freistaat auch damit liebäugeln, den Trainingsbetrieb für die kommenden Wochen einzustellen. „Je früher man das macht, desto besser kommt man vielleicht durch.“

Wie es um den generellen Ligabetrieb künftig bestellt sei, konnte Thomas Fritsche, der auch die Damen des USV trainiert, am Freitag noch nicht beantworten. Am kommenden Dienstag werde es diesbezüglich eine Vorstandssitzung des Thüringer Präsidiums geben.

Mit den USV Baskets Jena hat er derzeit die Tabellenführung der Regionalliga Südost inne. Natürlich seien seine Basketballerinnen derzeit etwas deprimiert, fieberten sie doch den kommenden Partien entgegen – zumal es gerade in puncto Meisterschaft sehr vielversprechend aussah. Doch die Situation sei eben komplex, lasse sich nicht allein auf die rein sportliche Dimension beschränken, betont der USV-Coach. „Alle meine Spielerinnen wissen natürlich darum, dass der Ligabetrieb derzeit eine untergeordnete Rolle spielt. Es geht ihnen in erster Linie auch nicht wirklich um ihr persönliches Wohlergehen, da sie ja nicht zur Risikogruppe gehören. Vielmehr sorgen sie sich um ihre Eltern und Großeltern und wollen nicht der Überträger sein“, berichtet Fritsche, der von gemischten Gefühlen spricht. „Doch die Gesundheit steht nun einmal im Vordergrund!“

Peter Dauel von den Fußballern von Grün-Weiß Stadtroda hat indes einen ganz konkreten Vorschlag, wie man mit der quasi Rückrunde umgehen soll – zumindest in der Landesklasse, Staffel 1. Der Co-Trainer spricht sich für eine Annullierung der Saison 2019/20 aus. „Aus sportlicher Sicht wäre das für mich der beste Weg“, sagt Dauel, wohlwissend, dass sich der eine oder andere Verein benachteiligt fühlen wird. Da in besagter Staffel lediglich 14 Teams in das Meisterschaftsgeschehen eingreifen, sollte kein Team absteigen. Stattdessen sollte man die Klasse mit den drei Erstplatzierten aus den dazugehörigen Kreisoberligen aufstocken. Dann würde die Staffel zwar 17 Vereine umfassen, doch man müsse laut Dauel immer damit rechnen, dass sich das eine oder andere Team freiwillig aus der Landesklasse verabschiede. Dauel verweist aber auch darauf, dass Trainer Steffen Richter und er eine Verantwortung für die Mannschaft tragen würden. Ergo: die Gesundheit geht vor. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, so Dauel, der auch davon berichtet, dass ein Spieler von Grün-Weiß derzeit in häuslicher Quarantäne verweilt. Er verweilte für ein paar Tage in Venedig. „Er hatte aber keinen Kontakt mit der Mannschaft“, sagt der Co-Trainer, der auch betont, dass besagter Kicker keine Symptome einer Infizierung mit dem Virus gezeigt habe.

Ach ja, Mario Kühne betrachtet die Unterbrechung auch als Chance, sich den essenziellen Dingen des Lebens stärker zu widmen: Familie, Miteinander im engsten Kreis und etwas Entschleunigung.

Otz/Marcus Schulze!14.03.2020

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