Mrz 25, 6 Monaten ago

„Ich nehm die Welt jetzt anders wahr“

Die Handballer Laura Ehm vom HV Hermsdorf und Martin Ehm vom SV Hermsdorf haben eine Tochter bekommen

Marcus Schulze

Hermsdorf Martin Ehm ist eine ehrliche Haut. Und weil dem nun einmal so ist, macht der Handballer des SV Hermsdorf auch keinen Hehl daraus, dass er den vergangenen Handballerfasching in Hermsdorf noch einmal genutzt hat. Noch einmal habe er ausgiebig seinem Kirmes-Gen gefrönt. Vielleicht sogar ein bisschen zu viel des Guten, wie Martin Ehm schelmisch einräumt.

Dass der „Ehminator“ beim traditionellen Handballer-Stelldichein in die Vollen ging, war natürlich auch dem Umstand geschuldet, dass für seine Frau Laura und ihn ein neuer Lebensabschnitt unmittelbar bevorstand, schließlich war in jenen Tagen Ende Februar seine bessere Hälfte hochschwanger, die Geburt nur noch eine Frage der Zeit. Seit dem 10. März nun sind beide stolze Eltern einer Tochter. Um vier Uhr morgens erblickte sie das Licht der Welt.

Martin Ehm war bei der Geburt seiner Tochter in Jena zugegen. „Das kann man mit nichts vergleichen. Die Geburt meiner Tochter hat alles in den Schatten gestellt, was mein Leben bis dahin bestimmt hat – ob Sport oder Musik. Ich nehme die Welt jetzt anders wahr“, sagt Ehm, der auch auf den emotionalen Aspekt einer Geburt verweist.

Ja, er habe geweint – und zwar nicht nur die eine oder andere Träne. „Als sie da war, brachen einfach alle Dämme.“

Ein Vorteil sei während der vergangenen neun Monate indes gewesen, dass Laura Ehm von Beruf Krankenschwester ist. „Laura war in medizinischen Sachen immer auf dem neuesten Stand, sodass ich mir als Mann nicht so viele Gedanken machen musste.“

Gedanken machen sich die Stimmungskanone in den Reihen des SV Hermsdorf und seine Frau indes an ganz anderer Stelle: wenn ihr Kind schläft. „Die Atmung bei einem Neugeborenen ist noch sehr flach, sodass man ständig überprüft, ob es denn noch atmet. Beim ersten Kind wird da auch eine Krankenschwester schnell unruhig und springt besorgt in der Nacht auf“, sagt Ehm, der jedoch davon ausgeht, dass man beim zweiten Kind wohl auch diesbezüglich etwas entspannter agiert. Beim ersten Kind sei ja alles noch komplett neu. Und ja, perspektivisch soll die Familie Ehm wachsen.

Natürlich ist auch das Coronoavirus im Hause Ehm ein Thema. Die Pandemie nehmen die jungen Eltern sehr ernst, versuchen ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Das wiederum sei gar nicht so einfach, wenn man gerade Nachwuchs bekommen hat, schließlich wollen beispielsweise die Großeltern ihr Enkelkind sehen, wie denn Martin Ehm berichtet. Doch dieser Tage verzichte man lieber prophylaktisch auf Besuch der Angehörigen und Freunde. Zum Glück gibt es moderne Kommunikationstechnik, auf die man nun dankbar zurückgreifen würde.

„Ich denke, dass es uns als junge Menschen weniger betrifft, doch auch ich habe Verwandte und Bekannte, die sich nach Möglichkeit nicht mit dem Virus infizieren sollten“, betont Martin Ehm.

Beruflich bekommt Martin Ehm, der als Vertriebsleiter für Industriebeleuchtungen tätig ist, die Auswirkungen der Pandemie jedoch unverblümt zu spüren. Viele seiner Großkunden hätten derzeit die Vorgabe, keine Termine mit Außendienstlern wahrzunehmen.

„Investitionen, die angestanden hätten, werden jetzt allesamt erst einmal nach hinten verlegt, weil niemand sagen kann, wie es sich in wirtschaftlicher Hinsicht in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln wird – und das belastet mich doch sehr.“

Dass der Ligabetrieb samt Training aufgrund der Coronapandemie gerade ruht, sei vor dem Hintergrund des jungen Elternglücks fürs Erste verkraftbar. Er habe jetzt erst einmal mehr Zeit für sein Kind und seine Frau, könne Gattin Laura beim Bewältigen des neuen Alltags unterstützen, sagt Ehm. Da ihm seine Frau in puncto Handballbegeisterung jedoch in nichts nachstehen würde, geht der 31-Jährige jedoch davon aus, dass sich das neue Familien-Dasein auch im Ligaalltag irgendwie eingespielt hätte. „Laura ist ja selbst leidenschaftliche Handballerin, hat dafür Verständnis.“

Ob die Saison in der Thüringenliga überhaupt noch einmal fortgesetzt wird, ist ungewiss. So richtig daran glauben will Martin Ehm nicht. Wenn dem so wäre, sei es einfach nur schade, denn man habe zweifelsohne eine starke Saison gespielt, hätte vielleicht sogar Meister werden können. „Doch unter den derzeitigen Umständen ist es mehr als nur vernünftig, den Spielbetrieb zu unterbrechen. Wir werden wohl schon bald erfahren, wie es in der Liga weitergeht.

Und die frischgebackene Mutter? Nun, Laura Ehm gibt sich eher wortkarg, überlässt die quasi Pressearbeit ihrem Mann. Die 23-Jährige betonte aber, dass es nichts Schöneres für sie gebe, als eben Mutter geworden zu sein. Für die kommenden 14 Monate werde sie in Elternzeit bleiben, möchte sich in dieser Zeit aber auch langsam wieder dem Handball widmen. Doch auch bei den Damen des HV Hermsdorf ruht natürlich der Liga- und Trainingsbetrieb bis auf weiteres.

Die Tatsache, dass eine Spielerin des HV Hermsdorf und ein Spieler des SV Hermsdorf nunmehr ein gemeinsames Kind haben, wollen weder Laura Ehm, noch Martin Ehm überbewerten. Doch um das Symbolische wissen beide. Sie leugnen nicht, dass das Verhältnis der beiden Handball-Vereine innerhalb der engen Grenzen der Kleinstadt nicht wirklich als harmonisch charakterisiert werden kann. „Ein Denkanstoß ist es allemal“, sagt Martin Ehm.

Und soll sich seine Tochter später auch einmal dem kleinen Leder widmen? „Sie kann machen, was sie will, gerne auch Musik. Doch da wir beide nun einmal Handballer sind, wäre das schon ziemlich cool.“

Otz/Marcus Schulze/24.03.2020

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