Apr 9, 4 Monaten ago

Hackepeter nach dem letzten Training

Sport in Zeiten von Corona Masseur Holger Posse vermisst die Kreuzritter, trauert um Gabi Delgado und unterstützt seine Geschwister in der Gastronomie

Marcus Schulze

Hermsdorf Hackepeter. Holger Posse weiß es noch ganz genau. Nach dem letzten Training der Handballer des SV Hermsdorf kredenzte Haudegen Stefan Riedel für alle Hackepeter. Es war der 12. März, ein Donnerstag – und an einem Donnerstag gibt stets ein SVH-Involvierter nach getaner Arbeit ein Abendbrot für seine Mitstreiter aus. So will es das Kreuzritter-Gesetz in Hermsdorf. „Da lagen die Sanktionen ja schon in der Luft. Einen Tag später ging es dann Knall auf Fall“, erinnert sich Holger Posse, der sich als Masseur seit nunmehr 25 Jahren um die körperlichen Leiden der Handballer aus dem Holzland kümmert und bei den Heimspielen den DJ gibt.

Natürlich vermisse er das alles. Die Heimspiele, die Auswärtsfahrten, die bekannten Gesichter im Publikum, die Trommeln der Anhänger und natürlich die Handballer und Trainer. Dreimal in der Woche brach Holger Posse immer nach dem Abendbrot gen Werner-Seelenbinder-Halle auf, wo nicht selten schon der erste „Patient“ auf der Pritsche in der Umkleidekabine lag und auf ihn wartete. Dazu gesellten sich die Spieltage. Auswärts sicherte er die medizinische Betreuung ab, in den heimischen Gefilden stand er stets mit seinem Laptop auf dem kleinen Balkon der Seelenbinder-Halle und heizte den Fans ein. Das sei sein Rhythmus gewesen, der quasi über Nacht unterbrochen wurde. Natürlich halte man Kontakt, Whatsapp-Gruppe und dergleichen, doch das könne die eigentliche Interaktion mit den Kreuzrittern kaum ersetzen.

Posse, der in einer Physiotherapie in Hermsdorf tätig ist, bekommt jedoch auch dort die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren. Zum einen kann er nur unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen seine Arbeit verrichten, zum anderen ist er in Kurzarbeit. Darüber hinaus unterstützt er in dieser schwierigen Zeit seine Schwester und seinen Bruder, die eine alteingesessene Gaststätte und auch eine Fleischerei in eben Hermsdorf betreiben. Bei Ersterem biete man aufgrund der Sanktionen in der Gastronomie seit vergangener Woche einen Abholservice an, der nach etwas Anlaufschwierigkeiten nun so nach und nach angenommen werde, berichtet der 46-Jährige, der den Auftritt des Familienunternehmens in den sozialen Netzwerken betreut. Beim Tagesgeschäft in der Fleischerei müsse er als Hausbesitzer indes darauf achten, dass die Vorschriften beim Verkauf wie Sicherheitsabstand und dergleichen von den Kunden beachtet werden. Gerade am Gründonnerstag werde die Frequentierung naturgemäß sehr hoch sein. An so einem Tag müsse man besonders achtgeben.

Sport

Die neugewonnene Freizeit verbringe er mit ausgiebigen Spaziergängen. Mit seiner Freundin und dem Königspudel begebe er sich nun regelmäßig auf alte und auch neue Pfade in und um Hermsdorf. Seine Partnerin freue sich über das Mehr an Zweisamkeit. Ansonsten widme er sich seiner großen Passion: Musik. Zahlreiche Musikdokumentationen habe er sich in den vergangenen Tagen angeschaut. Darunter auch eine über den Ratinger Hof in Düsseldorf, bei der DAF-Frontmann Gabi Delgado als Zeitzeuge durch das Programm führte. Der Sänger starb jedoch völlig überraschend am 22. März an den Folgen eines Herzinfarktes. „Das hat mich sehr traurig gestimmt, zumal ich mich sehr auf das Konzert von ihnen im Januar 2021 in Leipzig gefreut habe, für das ich schon Karten hatte“, sagt Posse, der als Kind der 80er-Jahre auch ein riesiger Depeche-Mode-Fan ist und generell über ein sehr fundiertes Musikwissen verfügt. www.

Otz/Marcus Schulze/08.04.20

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